Leipzig 2026

Leipzig Juni 2026

Vom 19. bis 22. Juni 2026 habe ich mit meinem besten Freund Ulrich Leipzig besucht. Wir beide haben seit unseren 60. Geburtstagen eine alte Tradition wiederbelebt und schenken uns jedes Jahr zum Geburtstag gemeinsame Zeit für Städtereisen. Wir waren seitdem in Dublin und Lissabon. Auf meinen Wunsch haben wir jetzt Leipzig ausgewählt. Leipzig war eine der wenigen Städte mit über 500.000 Einwohner in Deutschland, welche ich touristisch noch nicht erkundet hatte. Da ich geschichtlich sehr interessiert bin, gibt es für mich zwei wichtige weltgeschichtliche Ereignisse, die mit Leipzig fest verbunden bleiben. Zum einen die friedliche Revolution, die zum Fall des Warschauer Paktes und zur Wiedervereinigung Deutschlands führte und die Völkerschlacht bei Leipzig, die 1813 statt fand. Wir sind am Freitag, den 19.06. mit dem Auto nach Leipzig angereist und haben im B&B Hotel Leipzig City übernachtet. Unser Auto konnten wir in einer Parkgarage unweit unseres Hotels bezahlbar parken. Das B&B Hotel liegt in der Nicolaistraße in Sichtweite der berühmten Nicolaikirche. Die Innenstadt von Leipzig ist ca. 800*600m groß und lässt sich perfekt zu Fuss erkunden. Ein Auto braucht man hier nicht.

Friedliche Revolution

Die Nikolaikirche ist die älteste und größte Kirche in Leipzig. Sie wurde 1165 gegründet und ist weltbekannt für die Friedensgebete ab 1982, die 1989 zur Keimzelle und Ausgangspunkt der Friedlichen Revolution in der DDR wurde. Die „Friedliche Revolution“ in der DDR beschreibt die Ereignisse der Jahre 1989 und 1990, die zum gewaltlosen Sturz der SED-Diktatur und zur deutschen Wiedervereinigung führten. Hunderttausende Bürger protestierten mutig für Demokratie, Reisefreiheit und Reformen. Ihr Höhepunkt war der Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989. Die Montagsdemonstration am 9. Oktober 1989 in Leipzig war der entscheidende Wendepunkt der Friedlichen Revolution. Rund 70.000 Menschen überwanden ihre Angst vor staatlicher Repression. Der massive, gewaltfreie Protest brachte das SED-Regime in der DDR ins Wanken und gilt als der Durchbruch auf dem Weg zur Wiedervereinigung. Die Rufe „Keine Gewalt“ sowie „Wir sind das Volk“ prägten die Demonstration. Trotz massiver Präsenz von Polizei, Stasi und bewaffneten Einsatzkräften blieben die Demonstrationen friedlich, und die Staatsmacht verzichtete auf den befürchteten Schießbefehl. Dieser Tag gilt als der „Turning Point“. Das erfolgreiche Ausbleiben von Gewalt ermutigte die Menschen in der gesamten DDR, in den Folgewochen weiter zu demonstrieren, was letztlich nur einen Monat später zum Mauerfall führte. Heute erinnert die Stadt Leipzig jedes Jahr am 9. Oktober mit dem Lichtfest Leipzig an dieses historische Ereignis.

Bachwochen

Nachdem wir die Nikolaikirche besuchten, erkundeten wir die Innenstadt. Wir planten in historisch bedeutenden Gaststätten zu speisen. So besuchten wir diese zuerst, um sicher zu stellen, das wir noch rechtzeitig eine Tisch für das bevorstehende Wochende im Ratskeller und in Auerbachs Keller reservieren konnten. Die Stadt war gut besucht, da vom 11.bis 21.Juni das Bachfest Leipzig unter dem Motto „Im Dialog“ stattfand. Es bot ein hochkarätiges Programm mit über 150 Veranstaltungen an originalen Wirkungsstätten Johann Sebastian Bachs in Leipzig.

Neues Rathaus und Ratskeller

Der Ratskeller liegt im neuen Rathaus. Das Neue Rathaus in Leipzig ist ein monumentaler Bau des Historismus, der zwischen 1899 und 1905 errichtet wurde. Als offizieller Verwaltungssitz hält das Gebäude mit über 1.700 Räumen den Weltrekord als größtes zu diesem Zweck erbautes Rathaus der Welt. Es liegt an der südwestlichen Ecke der Innenstadt. Die Propsteikirche St. Trinitatis ist ein römisch-katholischer Kirchenbau in der Innenstadt von Leipzig. Die Kirche steht auf einem Grundstück gegenüber dem Neuen Rathaus. Sie wurde am 9. Mai 2015 geweiht und ist der größte Kirchenneubau in den „neuen Bundesländern“ seit der Friedlichen Revolution 1989 in der DDR und der Deutschen Einheit 1990. Das Ensemble umfasst außer dem Kirchenraum einen großen Gemeindesaal, Priesterwohnungen und Büroräume.

Der Ratskeller wurde 1904 eröffnet. Er umfasst in den Gewölben des Rathauses sieben Gesellschaftsräume mit insgesamt etwa 700 Plätzen und ist seit den späten 1990er Jahren ein Restaurant mit gutbürgerlich-sächsischer Küche. 2017 erfolgte mit dem Fassanstich die feierliche Einweihung der hauseigenen Brauerei Leipziger Braumanufaktur, seitdem stellt der Ratskeller das Kellerbier Lotteraner her. Der Name geht auf Hieronymus Lotter zurück, einen der berühmtesten Bürgermeister Leipzigs im 16. Jahrhundert. Er war ein historischer Tausendsassa: Neben seinem politischen Amt wirkte Lotter auch als Baumeister und entwarf unter anderem die ursprüngliche Pleißenburg, auf deren Grundmauern heute das Neue Rathaus und damit der Ratskeller stehen.

Kulinarisches

Faktisch gibt es nicht viele kulinarische Spezialiäten, die direkt aus Leipzig stammen. Ein Exportschlager ist heute die Leipziger Lerche. Sie ist heute ein süßes Gebäck. Ursprünglich war es ein herzhaftes Gericht mit echten Singvögeln. Nach dem Vogelfangverbot 1876 erfanden Bäcker das heutige Törtchen als Ersatz. Es besteht aus Mürbeteig, gefüllt mit einer saftigen Masse aus Marzipan und etwas Konfitüre (meist Kirsche). Die Oberseite ist typischerweise mit zwei überkreuzten Teigstreifen verziert. Diese sollten symbolisch an das X erinnern, mit dem die gefangenen Vögel früher in der Pastete befestigt wurden. Alle lokalen Bäcker bieten Leipziger Lerchen zum Verkauf an.
Eine weitere weltbekannte Leipziger Spezialität ist das Leipziger Allerlei. Es ist eine klassische sächsische Gemüse-Spezialität. Während das Gericht heute meist als einfaches Mischgemüse serviert wird, besteht das Original historisch aus einer aufwendigen Kombination von frischem Gemüse, Morcheln, Grießklößchen und Flusskrebsen. Das aufwendige Originalrezept findet man heute nur noch selten auf den Speisekarten der Restaurtantbetriebe.

Stadtrundgang

Am frühen Samstagnachmittag nahmen wir an einem geführten Stadtrundgang teil. Eine lokale Stadtführerin brachte uns während des zweistündigen Rundgangs ihre Stadt näher.
Wir besuchten den Augustusplatz mit dem Opernhaus, das berühmte Gewandhaus und die Nikolaikirche. Wir spazierten durch die modernen Specks Hof Arkaden zum Naschmarkt und zur Alten Börse.
Direkt gegenüber liegt die Mädler-Passage und ein Stück weiter Auerbachs Keller. Wir sahen uns das Alte Rathaus am Marktplatz an und besuchten das Wirtshaus Barthels Hof.
Wir genossen die Atmosphäre auf dem Barfußgässchen, das sich durch eine Vielzahl von Restaurants und Kneipen auszeichnet. Das letzte Highlight dieser Tour war die Thomaskirche.

Bootstour

Am Sonntagmorgen gönnten wir uns eine gechillte Sightseeingtour mit einem Motorboot durch Leipigs Kanäle. Wir starten am neu gebauten Stadthafen, der erst Anfang Juni 2026 eröffnet wurde. Wir passierten die Villa der berühmten Verlegerfamilie Baedeker. Danach ging es weiter zum Palmengartenwehr, das Leipzig vor Hochwasser schützt. Dann ging es Richtung Westen durch die Natur. Auf dem Weg zu den Karl-Heine-Kanälen passierten wir die frisch renovierten und zu Wohnungen umgebauten Textilfabriken der ehemaligen Buntgarnwerke. Die Wohnungen in einer ehemaligen Fabrik hat wohl seinen besonderne Charme. Jedenfalls sind diese Wohnungen sehr begehrt. Die letzte Station unser Tour war das markante Stelzenhaus, bevor es wieder zurück zum Hafen ging. Hier gönnten wir uns ein kühles alkoholfreies Bier in der neuen Strandbar.

Auerbachs Keller

Auerbachs Keller ist die bekannteste Gaststätte Leipzigs. Seit dem 16. Jahrhundert ein Weinlokal. Weltweite Berühmtheit erlangte Auerbachs Keller durch Goethes Faust, in dem die gleichnamige Szene spielt. Auch Martin Luther soll hier eingekehrt sein. Das Lokal befindet sich mitten im Stadtzentrum gegenüber dem Alten Rathaus in der berühmten Mädlerpassage. Die Speisekarte bietet heute gut bürgerliche Küche. Wir hatten für Sonntagabend einen Tisch reserviert. Ich aß den Wildschweinbraten mit Klößen und Rotkraut und trank dazu das berühmte Leipziger Gosebier.
Die Gose ist eine traditionelle, obergärige Bier-Sorte, die im Mittelalter in Goslar entstand, aber vor allem als Leipziger Spezialität berühmt wurde. Sie zeichnet sich durch eine erfrischende Säure und eine dezente Salznote aus, ergänzt durch Koriander. Sie fällt nicht unter das deutsche Reinheitsgebot.

Altes Rathaus und Marktplatz

Das Alte Rathaus ist das Wahrzeichen Leipzigs und eines der bedeutendsten Renaissance-Bauwerke Deutschlands. Es liegt zentral direkt am Markt und beherbergt heute das Stadtgeschichtliche Museum. Der Grundstein wurde 1556 unter der Leitung des Bürgermeisters und Baumeisters Hieronymus Lotter gelegt.Das Gebäude weist eine markante Asymmetrie in der Fassade auf. Dies liegt daran, dass beim Bau ältere Vorgängergebäude integriert und überbaut wurden. Der Uhrturm ist nicht exakt mittig angeordnet, ein typisches Merkmal vieler Renaissance-Rathäuser.

 

Thomaskirche

Die Thomaskirche liegt im Westen der Innenstadt von Leipzig. Sie ist eine weltberühmte spätgotische Hallenkirche und die Hauptwirkungsstätte von Johann Sebastian Bach. Sie ist die Heimat des traditionsreichen Thomanerchores (gegründet 1212) und beherbergt heute Bachs sterbliche Überreste. Wir haben eine Turmführung gebucht und sind die 265 Stufen bis zur Ballustrade hochgestiegen. Hierbei konnten wir die Glocken der Thomaskirche sehen und den riesigen Dachstuhl bewundern. Die Aussicht von der Ballustrade auf Leipzig und das Umland lohnt alle Mühen. Bis 1913 lebte und arbeitete ein Türmer mit seiner Familie oben im Turm der Thomaskirche. Er war verantwortlich für das Melden von Stadtbränden und das Schlagen der Stundenglocke. Er war immer im Dienst und hatte keine freie Minute und durfe den Turm nie verlassen.

Nachtwächter-Bremme Tour

Ein weiters Highlight unseres Aufenthalts in Leipzig war die Teilnahme einer Nachtwächter-Bremme Tour. Sie dauert ca. 90 Minuten.
Sie ist eine der beliebtesten historischen Stadtführungen in Leipzig. Ausgestattet mit Laterne, Hellebarde und historischem Gewand führt Nachtwächter-Bremme® durch die dunklen Gassen und lauschigen Höfe der Messestadt.

 

Völkerschlachtsdenkmal

Das Völkerschlachtdenkmal wurde von 1898 bis 1913 errichtet. Es erinnert an die Völkerschlacht im Jahr 1813 bei Leipzig während der Befreiungskriege. Das Monument stellt einen Turm dar, in dem sich eine Ruhmeshalle und eine Krypta befinden. Mit einer Höhe von rund 91 Metern ist es eines der höchsten Monumente Europas. Es gehört zu den Sehenswürdigkeiten Sachsens und zu den Nationaldenkmälern Deutschlands. Vom Fuß des Sockels bis zur Aussichtsplattform auf der Spitze sind es 500 Stufen, die größtenteils in engen Wendeln nach oben führen. Bereits zur Eröffnung des Denkmals gab es einen Fahrstuhl von der Krypta zum Aussichtsumgang in 57 Metern Höhe. Vom Aussichtsumgang hat man einen tollen Blick über Leipzig und das Umland. Vor dem Denkmal befindet sich das 162 × 79 Meter große Wasserbecken, welches auch als See der Tränen bezeichnet wird.

Völkerschlacht

Vom 16. bis 19. Oktober 1813 fand vor den Toren der Stadt Leipzig die sogenannte Völkerschlacht statt. Sie führte im Rahmen der Befreiungskriege zu einer Niederlage Napoleons gegen die Truppen Russlands, Österreichs, Preußens und Schwedens. In der Schlacht, die bis zum Ersten Weltkrieg als die größte der Geschichte galt, kämpften Deutsche auf beiden Seiten. Bereits am 18. Oktober 1813 wurde die Völkerschlacht zugunsten der Verbündeten Preußen, Österreich, Russland, Schweden und weiterer europäischer Staaten entschieden. Mit bis zu 600.000 Teilnehmern aus über einem Dutzend Ländern war dieser Kampf die bis dahin wahrscheinlich größte Schlacht der Weltgeschichte. In der Schlacht wurden von den rund 600.000 beteiligten Soldaten 92.000 getötet oder verwundet.

Leipzig

Leipzig hat aktuell ca. 640.000 Einwohner. Sie belegte offiziell im Jahr 2024 den achten Rang in der Liste der Großstädte in Deutschland. Die Einwohnerzahl steigt weiterhin rasch.
Die Stadt hat Flair und bietet sehr viel und ist damit attraktiv für Zuzügler. Leipzig bildet mit der rund 35 Kilometer entfernten Großstadt Halle im Land Sachsen-Anhalt den länderübergreifenden Ballungsraum Leipzig-Halle, in dem etwa 1,2 Millionen Menschen leben. Nach der Verleihung des Stadtrechts und der Marktprivilegien um das Jahr 1165 entwickelte sich Leipzig bereits während der deutschen Ostsiedlung zu einem wichtigen Handelszentrum. Leipzigs Tradition als bedeutender Messestandort in Mitteleuropa mit einer der ältesten Messen der Welt geht auf das Jahr 1190 zurück und war eng mit der langjährigen Rolle Leipzigs als internationales Zentrum des Pelzhandels verknüpft. Die Stadt ist ein historisches Zentrum des Buchdrucks und -handels. Außerdem befinden sich in Leipzig eine der ältesten Universitäten sowie die ältesten Hochschulen sowohl für Handel als auch für Musik in Deutschland. Leipzig verfügt über eine große musikalische Tradition, die vor allem auf das Wirken von Johann Sebastian Bach und Felix Mendelssohn Bartholdy zurückgeht und sich unter anderem auf die Bedeutung des Gewandhausorchesters und des Thomanerchors stützt. Leipzig liegt im Zentrum der Leipziger Tieflandsbucht, die den südlichsten Teil des Norddeutschen Tieflandes bildet, und am Zusammenfluss von Weißer Elster, Pleiße und Parthe. Die Flüsse sind im Stadtgebiet vielfach verzweigt und bilden so den Leipziger Gewässerknoten, der von einem großen Auwaldgebiet begleitet ist. Die Geschichte Leipzigs wurde von seiner Bedeutung als Handelsplatz geprägt. Bereits früh hatte es durch die günstige Lage am Schnittpunkt der Handelswege und durch Messeprivilegien eine herausragende Position im Warenhandel. Leipzig war nie Residenzstadt oder Bischofssitz und stets städtebürgerlich geprägt.

Leipzig
Städtereise Ulrich und Günter vom 19-.22.06.2026
Leipzig
Nicolaikirche
Neues Rathaus Leipzig
Blick vom Turm der Thomaskirche
Leipzig
Neue katholische Kirche St. Trinitatis, geweiht in 2015
Leipziger Lerche
Kulinarischer Exportschlager aus Leipzig
Leipzig
Bootsfahrt über Kanäle und Weißer Elster
Leipzig
Altes Rathaus
Thomaskirche
Thomaskirche
Thomaskirche
Leipzig
Stadtrundgang mit Nachwächter Bremme
Leipzig
Völkerschlachtdenkmal
Leipzig
Rundblick vom Turm der Thomaskirche