Schiffsreise „Ostseetraum 2026“
Vom 01. August bis zum 08. August gönnten sich mein Bruder Walter und ich eine Kreuzfahrt an der Ostseeküste entlang von Stralsund bis Stettin und wieder zurück. Unser Schiff war die MS Junker Jörg, ein kleines Kreuzfahrtschiff – ca. 95 m lang und 11 m breit – für maximal 110 Gäste und rund 30 Crewmitglieder. Die Reise habe ich bei Phoenix Reisen gebucht. Ich mache sehr gerne Flusskreuzfahrten mit Phoenix Reisen. Der Service an Bord, das Essen, die Ausflüge und die Reiseleitung an Bord passen stets zu meinen Erwartungen. Die Crew war sehr aufmerksam und zuvorkommend, sowohl im Restaurant als auch an der Bar. Getränke wurden sogar aufs Sonnendeck gebracht. Die Kabinen waren sehr sauber. Das Housekeeping arbeitete rasch, gründlich und geräuschlos. Zum Mittagessen und zum Abendessen gab es Vier-Gänge-Menüs, wobei man den Hauptgang auswählt – meist zwischen Fleisch, Fisch oder vegetarisch. Sonderwünsche wurden stets erfüllt. Die Landausflüge bei dieser Reise waren bereits im Preis inkludiert und meist auch für Gäste mit eingeschränkter Mobilität machbar. Die Reise war sehr angenehm und entspannt. Ich persönlich mag die kleinen, ruhigen Schiffe gerne. Die Junker Jörg ist sehr leise, da der Antrieb über Bugstrahlruder erfolgt. Das Schiff gleitet ohne Vibrationen lautlos übers Wasser.
Die Reiseroute
Die Einschiffung fand in Stralsund am Hafen statt, unmittelbar hinter dem großen Parkhaus am Ozeaneum. Wir sind mit dem eigenen Auto angereist. Das Parken war günstig: Wir haben 62 € für eine Woche bezahlt. Die meisten Gäste kamen mit zwei Reisebussen aus dem Ruhrgebiet. Phoenix Reisen hat mit dem Busunternehmen einen Vertrag geschlossen, sodass die beiden Reisebusse uns während der gesamten Reise folgten und stets unsere Busse für die Fortbewegung bei den Landausflügen waren. Das war sehr angenehm, so hatten wir während der gesamten Kreuzfahrt immer unseren angestammten Sitzplatz im Bus.
Von Stralsund fuhren wir nach Greifswald-Wieck und übernachteten an unserer Anlegestelle im Hafen von Wieck. Die Fahrtstrecken an sich waren meist recht kurz, sodass wir keine Nachtfahrten hatten.
Von Wieck fuhren wir zur Anlegestelle Lauterbach auf Rügen, danach weiter nach Peenemünde im Westen der Insel Usedom. Dann ging es über Wolgast weiter durchs Stettiner Haff und über die polnische Grenze nach Stettin (polnisch Szczecin). Von Szczecin fuhren wir wieder zurück zur Insel Usedom in den Flusshafen von Swinemünde. Swinemünde liegt ganz im Osten der Insel Usedom und gehört zu Polen. Danach ging es erneut über Wolgast und Peenemünde zurück nach Stralsund. Unser gesamtes Reisegebiet, sowohl der deutsche als auch der polnische Anteil, gehört zur Region Pommern. Wir befanden uns also während der Reise im äußersten Nordosten von Deutschland bzw. Nordwesten von Polen.
Stralsund
Die Hansestadt Stralsund ist eine Stadt mit ca. 55.000 Einwohnern im Nordosten Deutschlands. Sie gehört zum Landesteil Vorpommern des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern und ist Kreisstadt des Landkreises Vorpommern-Rügen. Nach Landesrecht führt Stralsund die Bezeichnung Hansestadt. Stralsund erhielt 1234 das Stadtrecht. Damit ist sie die älteste Stadt Pommerns. Als Gründungsmitglied der Hanse kam Stralsund durch internationalen Handel zu beachtlichem Wohlstand. Die Altstadt mit ihren zahlreichen Baudenkmälern und besonders wertvollen Zeugnissen der Backsteingotik gehört seit 2002 zum UNESCO-Welterbe. Stralsund ist als Erholungsort und bedeutendes touristisches Zentrum der südlichen Ostseeregion zudem bekannt für das Meeresmuseum, das Ozeaneum Stralsund und für Veranstaltungen wie die jährlichen Wallensteintage. Stralsund wird wegen seiner Lage am Strelasund, einer Meerenge der Ostsee zwischen dem Festland und der Insel Rügen, als „Tor zur Insel Rügen“ bezeichnet. Es gibt sowohl einen Damm mit Brücke zur Verbindung zwischen der Stadt und der Insel – den Rügendamm über die Insel Dänholm nach Altefähr – als auch eine Brücke, die Rügenbrücke. Beide Verbindungen bilden die einzigen festen Strelasundquerungen.
Greifswald
Greifswald ist die Kreisstadt des Landkreises Vorpommern-Greifswald im Nordosten von Mecklenburg-Vorpommern und beherbergt ca. 56.000 Einwohner. Die Universitäts- und Hansestadt liegt an dem in die Ostsee mündenden Fluss Ryck am Greifswalder Bodden zwischen den Inseln Rügen und Usedom. Greifswalds Gründung in Pommern geht auf das Kloster Eldena zurück, zu dessen Gut es anfangs gehörte. Für die Siedlung, an der sich zwei alte Handelswege kreuzten, erhielt das Kloster 1241 sowohl vom Fürsten von Rügen als auch vom Herzog von Pommern urkundlich das Marktrecht verliehen. Der Herzog von Pommern konnte 1249 das Kloster dazu bringen, ihm die Marktsiedlung Greifswald als Lehen zu geben. Bereits 1250 verlieh der Herzog von Pommern Greifswald das Stadtrecht, wodurch die Stadt viel Unabhängigkeit erhielt. Die 1456 gegründete Universität Greifswald mit rund 10.000 Studierenden und rund 6.000 Beschäftigten ist die zweitälteste Universität im Ostseeraum. Die Universitätsgründung in der kleinen Stadt wirkte sich prägend bis in die Gegenwart aus. In einer Studie von 2008 war Greifswald die „jüngste“ Stadt Deutschlands, da sie den höchsten Anteil an Haushalten mit Menschen unter 30 Jahren hatte.
Die Reformation hielt 1531 ohne große Gegenwehr in Greifswald Einzug. Mit dem Dreißigjährigen Krieg kamen Not und Elend in die Stadt. Durch eine Pestepidemie wurden die Einwohner so stark dezimiert, dass zum Kriegsende nur noch die Hälfte der Häuser bewohnt war. 1631 nahmen die Schweden Greifswald ein. Greifswald war danach für 184 Jahre schwedisch. Der Wiener Kongress im Jahr 1815 nach den Napoleonischen Kriegen ordnete Europa neu: So wurde Greifswald an Preußen übergeben und wurde wieder deutsch. Den Zweiten Weltkrieg überstand die Stadt ohne Zerstörungen, weil sie kampflos an die Rote Armee übergeben wurde.
Die Stadt umfasst Baustile nahezu aller Epochen – von der mittelalterlichen Backsteingotik bis zu modernen Architekturformen. Insbesondere die älteren Bauwerke der Stadt sind geprägt vom in Norddeutschland und im Ostseeraum üblichen Stil. Am Markt befindet sich das aus dem 13. Jahrhundert stammende gotisch-barocke Greifswalder Rathaus. Architekturhistorisch besonders bedeutend sind die beiden mittelalterlich-hanseatischen Bürgerhäuser Markt 11 und 13 im Stil der Backsteingotik. An der Ecke zur Mühlenstraße befindet sich das weiße, klassizistische Gebäude der Gemäldegalerie des Pommerschen Landesmuseums, das u. a. Bilder des in Greifswald geborenen Malers Caspar David Friedrich ausstellt. Viele Verluste wichtiger Teile der Bausubstanz der historisch wertvollen Altstadt sind auf Abrisse sowie unterlassene Instandhaltungen in der DDR-Zeit zurückzuführen.
Greifswald wird vom Fluss Ryck durchzogen. Von der Altstadt in Richtung Greifswalder Bodden kann der Fluss ganzjährig auf einem Treidelpfad entlang bewandert werden. Die beiden seewärtigen Stadtteile Wieck und Eldena haben sich aus früheren Fischerdörfern entwickelt und ihren maritimen Charakter bewahren können. Das 1199 gegründete ehemalige Kloster Eldena ist der Nukleus der späteren Stadtgründung und ein bekanntes Motiv des romantischen Malers Caspar David Friedrich.
Rügen (Binz und Mönchsgut)
Von unserer Schiffsanlegestelle in Lauterbach, dem ältesten Seebad auf Rügen, fuhren wir mit dem Bus ins Mönchsgut und nach Binz. Somit bekamen wir einen Eindruck von der Natur im Südosten der Insel Rügen, bevor wir das berühmteste Seebad Rügens, Binz, genauer erkundeten. Das Seebad ist als Urlaubsort für seine Kultur- und Veranstaltungsvielfalt, prächtige Bäderarchitektur, das Jagdschloss Granitz, den „Koloss von Prora“, den feinen Sandstrand und die umgebende Natur bekannt.
Binz liegt an der Ostküste der Insel Rügen zwischen der Bucht Prorer Wiek und dem Schmachter See. Um das Jahr 1875 kam das Baden im Meer in Mode. Die ersten Gäste kamen in den kleinen Ort Binz, fanden Gefallen an ihm und empfahlen ihn weiter. Zehn Jahre später wurde Binz offiziell zum Seebad, was eine rege Bautätigkeit zur Folge hatte: Es entstanden die Strandpromenade, die Seebrücke, das Kurhaus, ein neues Wegenetz und der Kleinbahnanschluss. In Binz und anderen Badeorten an der Ostseeküste entstanden Ende des 19. Jahrhunderts keine großen Hotels, sondern Logierhäuser im Villenstil der sogenannten Bäderarchitektur. Sie erhielten vom Zeitgeist geprägte Namen: nationalistische wie „Germania“ oder Namen von Familienangehörigen – oft der Vorname der Ehefrau des Erbauers. 1876 wurde das erste Hotel gebaut.
1937 begannen die Nationalsozialisten in Prora mit ihrem Plan, das größte und modernste Seebad Europas zu bauen. Wegen des Zweiten Weltkriegs wurde dieser Plan jedoch niemals vollendet. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte Rügen zur DDR. Die DDR-Führung kriminalisierte die Eigentümer von Hotels, Pensionen, Villen und Häusern oft willkürlich, verhaftete und enteignete sie. Es entstand nördlich des bisherigen Ortes ein Wohngebiet in Plattenbauweise, welches das gewachsene Ortsbild beeinträchtigte.
Mit dem gesellschaftlichen Wandel nach dem Ende der DDR und der deutschen Wiedervereinigung ergaben sich auch für Binz deutliche Veränderungen. Viele der alten Villen an der Strandpromenade und im gesamten Ort wurden an die früheren Eigentümer rückübertragen. Es setzte eine Welle von Sanierungen, Rekonstruktionen und Neubauten ein. Auch die ehemaligen Ferienheime des FDGB wurden privatisiert und umfassend modernisiert. Daneben entstanden zahlreiche neue Gebäude, sowohl an der Peripherie als auch im Ortszentrum. Die Straßen und Bürgersteige wurden umfangreich instand gesetzt und die Strandpromenade in Richtung Prora verlängert. Der Kurplatz erhielt eine neue Gestaltung. 1994 wurde die neue, 370 Meter lange Seebrücke eingeweiht. Im Jahr 2000 wurde das Haus des Gastes und 2002 der Kurpark Binz eröffnet. 2003 folgten die Promenade am Schmachter See und der Park der Sinne. Seit Mai 2007 erstrahlen nun auch die komplette Hauptstraße und der prunkvolle Wendeplatz in neuem Glanz.
Historisch-Technisches Museum Peenemünde
Das Historisch-Technische Museum Peenemünde befindet sich in der Bunkerwarte und auf dem Areal des ehemaligen Kraftwerks in Peenemünde auf der Insel Usedom. Das Museum befasst sich mit der Geschichte der Heeresversuchsanstalt Peenemünde und der Erprobungsstelle der Luftwaffe „Peenemünde-West“, insbesondere mit den dort zwischen 1936 und 1945 entwickelten Raketen und anderen Flugkörpern. Die Schau im Kraftwerk ist in erster Linie eine historische Ausstellung, in welcher neben der Technikgeschichte auch das Andenken an die Opfer seinen Platz findet. Die Besucher werden anhand von Exponaten, Dokumenten und Filmen darüber informiert, welch verhängnisvollen Pakt die Raketenbauer und ihr technischer Leiter Wernher von Braun mit den damaligen Machthabern eingingen.
Aufbauend auf den technischen Erfahrungen aus Peenemünde konnten Wernher von Braun und viele der vormaligen Mitarbeiter aus Peenemünde Mitte der 1960er-Jahre für die NASA die Saturn-V-Rakete für den Flug zum Mond konstruieren. Der ursprüngliche Auftrag für die damaligen Raketenbauer war jedoch die Entwicklung von Kriegswaffen. Der Wissensschatz aus der Heeresversuchsanstalt bildete die Grundlage für die Atomraketen-Entwicklung der Siegermächte. In den USA, der UdSSR, Großbritannien und Frankreich waren Peenemünder Fachleute daran beteiligt. Im Rahmen einer ausführlichen Chronik der Versuchsanstalt werden die Situation und die Arbeitsbedingungen der Zwangsarbeiter beleuchtet. Ausführlich wird der KZ-Häftlinge gedacht, die unter unmenschlichen Bedingungen die sogenannten „Wunderwaffen“ montieren mussten.
Zinnowitz
Zinnowitz liegt im Nordwesten Usedoms. Seit dem Mittelalter befand sich hier eine kleine Siedlung mit dem Namen „Tzys“, später auch „Zitz“ genannt. Seit 1851, als der offizielle Badebetrieb erlaubt wurde, entwickelte sich Zinnowitz zu einem der berühmten Ostseebäder. Bis 1880 waren am Strand zwei Damen- und ein Herrenbad entstanden, dazu eine Strandhalle, die Seebrücke, eine Rettungsstation und eine Promenade mit Häusern. 1908 wurde eine hölzerne Seebrücke errichtet. Ab 1911 verdichtete sich die Bebauung und der Fremdenverkehr nahm nach der Fertigstellung der Bahnverbindung sprunghaft zu. Im Jahr 1923 verzeichnete das Seebad Zinnowitz ca. 9.000 Kurgäste.
Nachdem 1937 die Peenestrombrücke vor Wolgast fertiggestellt worden war, hätte der Fremdenverkehr eigentlich weiter ausgebaut werden können. Doch 1938 wurde der normale Tourismusbetrieb des Ortes für lange Zeit unterbrochen: Das Sperrgebiet der neugegründeten Heeresversuchsanstalt Peenemünde umfasste auch Zinnowitz. In der DDR war Zinnowitz als „Seebad der Werktätigen“ der wichtigste Badeort für den Feriendienst der Wismut AG, der sich zahlreiche enteignete Hotels, Ferienheime und Villen einverleibte. In den 1950er-Jahren entstanden zudem das große Kulturhaus der Wismut und ein großer Sportkomplex, in dem viele Spitzensportler ihr Trainingslager hatten. Im Sportkomplex sind noch heute Spitzensportler zu Gast. Heute verfügt Zinnowitz über zahlreiche touristische Einrichtungen, darunter Hotels, Gaststätten und Kureinrichtungen. Veranstaltungen wie Konzerte, Lesungen und Theateraufführungen ergänzen das Bade- und Wellnessangebot. Die Gemeinde zählt zu den am stärksten frequentierten Urlaubsorten der Insel Usedom.
Stettin
Stettin (polnisch Szczecin) ist die Hauptstadt der polnischen Woiwodschaft (vergleichbar mit einem Bundesland) Westpommern. Mit knapp 400.000 Einwohnern ist Stettin die siebtgrößte Stadt Polens. Bis 1945 gehörte Stettin zu Deutschland. Die Universitätsstadt ist mit fünf staatlichen Universitäten ein bedeutender Forschungs- und Hochschulstandort. Historisch, kulturell und touristisch bedeutsam als Wahrzeichen Stettins sind unter anderem das Greifenschloss und die Jakobskathedrale in der Altstadt, die Philharmonie sowie die Hakenterrasse mit dem Nationalmuseum.
Stettin liegt in der Nähe der südlichen Ostseeküste an der Mündung der Oder in das Stettiner Haff, etwa 105 km südöstlich von Greifswald und 125 km nordöstlich von Berlin. Die Altstadt wurde nach schweren Kriegszerstörungen nur teilweise wieder aufgebaut. Zwischen erhaltenen oder nach alten Unterlagen rekonstruierten historischen Bauwerken stehen zahlreiche sehr einfache Wohnhäuser aus den 1950er-Jahren. Den höchsten Punkt der Altstadt nimmt das Schloss der Herzöge von Pommern ein. Die Anlage der Neustadt ging auf die Initiative des langjährigen Oberbürgermeisters Hermann Haken zurück. Der Bereich zwischen dem Berliner Tor und dem Hotelhochhaus Radisson SAS kann als wichtigster Straßenzug der Innenstadt angesehen werden.
Nördlich der Altstadt entstand zwischen dem Oderufer und den Grabower Anlagen von 1902 bis 1921 das bekannteste Bauensemble Stettins: die Hakenterrasse. Drei monumentale Großbauten stehen an dieser Uferstraße: die Seefahrthochschule, das Stadtmuseum sowie das Gebäude der Regierung von Pommern. Die flussseitige Straßenseite schmücken zwei Jugendstilpavillons und eine große Freitreppe zum tiefer liegenden Fluss.
Die Jakobskathedrale ist ein backsteingotischer Kirchenbau und eine der größten Kirchen Pommerns. Das Kirchengebäude wurde in Etappen vom 13. bis zum 15. Jahrhundert errichtet. Seit der Reformation diente die Jakobikirche als lutherische Gemeindekirche der Pommerschen Evangelischen Kirche und war die Hauptkirche der Stadt. Sie diente bis 1945 der evangelischen Kirchengemeinde Stettins als Gotteshaus. 1944 zerstörte ein Bombentreffer große Teile der Kirche. Nach 1945 eignete sich die römisch-katholische Kirche in Polen die Ruine der evangelischen Kirche an und setzte sie bis 1971 wieder instand. Die katholische Kirche nutzt das Gebäude seither als Kathedralkirche des Erzbistums Stettin. Papst Johannes Paul II. erhob die Kirche 1983 in den Rang einer Basilica minor.
Swinemünde
Świnoujście (deutsch: Swinemünde) ist eine Stadt in der polnischen Woiwodschaft Westpommern. Sie bildet dort einen eigenen Stadtkreis und ist der Vorhafen der Metropole Stettin. Die Stadt liegt etwa 55 Kilometer nordnordwestlich von Stettin und erstreckt sich auf dem östlichen Teil der Insel Usedom sowie auf den Inseln Wollin und Kaseburg am Stettiner Haff und der Südküste der Ostsee. Der etwa zwölf Kilometer lange Sandstrand zieht sich, durchschnittlich 40 Meter breit, im weiteren Verlauf auf Usedom insgesamt 42 Kilometer weit bis nach Peenemünde. Die längste Strandpromenade Europas verbindet die Stadt mit den Dreikaiserbädern Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin.
Swinemünde ist als eine der jüngsten Städte Preußens an der Swinemündung entstanden. Bei der Teilung Pommerns zwischen Brandenburg und Schweden im Westfälischen Frieden 1648 fiel Vorpommern mit Usedom und Wollin an Schweden. Nach dem Großen Nordischen Krieg trat Schweden 1720 Stettin und Usedom an Preußen ab. Bis 1746 bauten die Preußen einen neuen Hafen und nannten ihn Swinemünde. Der mit dem Bau und dem Betrieb des neuen Hafens entstandene Ort bekam bald einen Bebauungsplan und wuchs durch den Zuzug von Händlern, Handwerkern und Gastwirten rasch an. Der Hafen bildete das Zentrum der Aktivitäten: Leichter holten die Waren von den auf Reede oder im Hafen liegenden Schiffen und beförderten sie u. a. nach Stettin. Auf dem Rückweg von Stettin nahmen sie wiederum Güter für die Schiffe mit. Seefahrt, Gütertransport, Handel, Handwerk und Gewerbe erlebten so eine erste Blüte.
Um die Versandung im Bereich der Hafeneinfahrt an der Ostsee aufzuhalten, wurde 1818 mit dem Bau der Molen begonnen. Um das Problem der Versandung der Swine im Hinterland zu umgehen, wurde zwischen 1875 und 1880 ein Kanal gebaut. Dieser besteht aus zwei Hauptabschnitten: der Mellinfahrt und der Kaiserfahrt. Mit der Gründung des See- und Solbades Swinemünde wurde im Juli 1824 die erste offizielle Badesaison eröffnet und ein neuer Erwerbszweig mit weitreichenden Folgen für die Entwicklung der Stadt war geboren. Von Beginn an stammte die Hälfte aller Badegäste aus Berlin. Bekannt wurde das Seebad vor allem durch die regelmäßigen Besuche von Kaiser Wilhelm II. Nachdem im Jahr 1826 insgesamt ca. 600 Badegäste gezählt worden waren, waren es 1913 bereits ca. 40.000 und 1938 ca. 435.000. Swinemünde war vor dem Zweiten Weltkrieg das drittgrößte deutsche Ostseebad.
Am 5. Mai 1945 besetzte die Rote Armee Swinemünde. Eine Garnison der Sowjetarmee war hier bis Ende 1992 stationiert. Im Oktober 1945 wurde die Stadt der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Zu dieser Zeit lebten in Swinemünde noch etwa 30.000 Deutsche. Es begann die gezielte Zuwanderung von polnischen Siedlern. Dieser Vorgang war verbunden mit der Vertreibung der ortsansässigen deutschen Einwohner. Anfang 1950 lebten in der Stadt nur noch 500 bis 600 Deutsche.
Ab 1958 wurde der Wiederaufbau der Stadt intensiviert und der Ausbau des Hochseehafens folgte. Nachdem die sowjetischen Streitkräfte das Kurviertel geräumt hatten, entwickelte sich Świnoujście zu einem der bekanntesten polnischen Ostseebäder. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs profitierte die Stadt zunehmend von ihrer Nähe zur Grenze und den nun zahlreichen deutschen Touristen, die unter anderem auf dem „Ahlbecker Grenzmarkt“ einkauften.
Der breite Sandstrand von Świnoujście ist von der Promenade durch einen schmalen Küstenwaldstreifen getrennt. Im Sommer locken mehrere Strandbars, verschiedene Sportplätze, Kinderspielplätze und andere Aktivitäten zahlreiche Gäste. Die Promenade wartet mit zahlreichen Geschäften, Freizeitangeboten, Hotels, Restaurants und Bars auf. Świnoujście ist mit seinen Stränden und diversen Sehenswürdigkeiten eines der beliebtesten Urlaubsziele in Polen. 2013 wurden 1,4 Millionen Übernachtungen in Swinemünde registriert. Der Seehafen von Świnoujście ist einer der bedeutendsten Umschlagplätze in Polen und an der gesamten Ostseeküste. Seit dem EU-Beitritt Polens ist auch der Kreuzfahrtverkehr stetig bedeutender geworden.
Halbinsel Fischland-Darß-Zingst
Zurück in Stralsund erkundeten wir die etwa 45 km lange Halbinsel Fischland-Darß-Zingst, die die Boddenlandschaft vom offenen Meer trennt. Die Halbinsel liegt zwischen Rostock und Stralsund. Den südwestlichen Abschnitt der Halbinsel bildet das Fischland, es folgt der Darß, an den sich nach Osten die Halbinsel Zingst anschließt. In historischer Zeit waren sowohl der Kern des Fischlands als auch der Darß und der Zingst Inseln. Erst die Schließung von Flutrinnen durch den Menschen im 14. Jahrhundert (Fischland und Darß) und im 19. Jahrhundert (Zingst) verband sie dauerhaft mit dem Festland.
Wir besuchten die Dörfer Ahrenshoop und Prerow. Ahrenshoop hat ca. 600 Einwohner. Ende des 19. Jahrhunderts siedelten sich im Ort Kunstmaler an und in der Folge entwickelte er sich zum Seebad. 1909 wurde der Kunstkaten gebaut, in dem seither viele Ausstellungen stattfanden. Die Künstlerkolonie Ahrenshoop gehörte nicht zum mecklenburgischen Fischland, sondern als der westlichste pommersche Ort der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst zum pommerschen Darß. Quer durch die Gemeinde Ahrenshoop verläuft die historische Grenze zwischen Mecklenburg und Vorpommern: Der Ort Ahrenshoop gehörte zu Vorpommern, während die heutigen Ortsteile Althagen und Niehagen zu Mecklenburg gehörten.
Das Fischer- und Seefahrerdorf Prerow wurde erstmals im 12. Jahrhundert erwähnt. Seit dem 17. Jahrhundert betrieben die Prerower Seefahrt. Im Ort entstanden auch drei Segelschiffwerften. Mit dem Niedergang der Segelschifffahrt Ende des 19. Jahrhunderts wurde Prerow ein bedeutender Bade- und Kurort. Die Abgeschiedenheit des Ortes sowie der weite, flache, 5 km lange Strand aus weißem, steinfreiem Sand leisteten einen wichtigen Beitrag dazu. Hier befindet sich einer der größten FKK-Strände Deutschlands. Als Ersatz für den bisherigen Nothafen wurde ab 2022 ein neuer Inselhafen gebaut, zu dem die mit 720 Metern längste Seebrücke der Ostsee führt. Die Einweihung und Eröffnung der Seebrücke Prerow erfolgte im Jahr 2024.
Rügen (Sassnitz & Kreidefelsen)
Nach der Kreuzfahrt verlängerten wir unseren Urlaub individuell. Wir besuchten Rügen mit dem eigenen Auto. Unsere Bleibe für die folgenden drei Nächte war das Kurhotel in Sassnitz. Sassnitz ist ein staatlich anerkannter Erholungsort an der Ostsee. Die Stadt liegt auf der Halbinsel Jasmund im Nordosten der Insel Rügen und zählt ca. 9.000 Einwohner. Über viele Jahrhunderte war Sassnitz vor allem ein kleiner Fischerort, um 1890 kamen ein größerer Hafen und der Eisenbahnanschluss hinzu. Die Eisenbahnfährverbindung zwischen Sassnitz und Trelleborg war lange Zeit die kürzeste direkte Fährverbindung zwischen Deutschland und Schweden. Sassnitz wurde zum gefragten Fährort und Seebad.
Ab 1991 wurde der historische Stadtkern im Rahmen der Städtebauförderung grundlegend saniert. Die Häuser der Bäderarchitektur wurden renoviert und weitgehend einheitlich in Weiß gehalten. Der Altstadthafen wurde ab 2000 in die städtebauliche Stadtsanierung einbezogen. 2007 wurde eine 274 m lange Hängebrücke für Fußgänger eingeweiht, die das Stadtzentrum zwischen Bahnhof, Rügen-Galerie, Kurhotel und Hauptstraße mit dem Sassnitzer Hafen verbindet.
Sassnitz erhielt 2012 den UNESCO-Weltnaturerbe-Titel für die reichhaltigen Buchenurwälder im Nationalpark Jasmund. Nordöstlich an die Kernstadt angrenzend beginnt die Kreideküste. Vom Hafen fahren jeden Tag von 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr Ausflugsboote zur weltberühmten Kreideküste bis zum Königsstuhl. Im nordöstlichen Teil der Insel Rügen, auf der Halbinsel Jasmund, befinden sich umfangreiche Kreidevorkommen. Am bekanntesten sind wohl die „Rügener Kreidefelsen“ der Kliffküste in der Umgebung von Sassnitz. Diese Küstenformationen sind Teil des Nationalparks Jasmund und stehen unter strengem Naturschutz.
Der industrielle Abbau von Kreide begann auf Rügen im Jahr 1832 und dauert bis heute an. Im Hinterland von Jasmund liegt Kreide unter einer 1 bis 10 m mächtigen Deckschicht im Untergrund. Dort gibt es viele Steinbrüche und Tagebaue, von denen fast alle mittlerweile wegen Unwirtschaftlichkeit oder aus Landschaftsschutzgründen aufgegeben worden sind. Mit Wasser vollgelaufen, sind sie auf Luftaufnahmen von Jasmund als kleine und große Seen und Teiche zu erkennen. Selbst im Stadtgebiet von Sassnitz sieht man noch alte Kreidebrüche, die aber aus der Anfangszeit des 19. Jahrhunderts stammen. Aktuell wird die Kreide im Tagebau Promoisel gefördert.
Königsstuhl
Das Nationalpark-Zentrum Königsstuhl ist das Besucherzentrum des Nationalparks Jasmund auf der Insel Rügen. Es wurde 2004 eröffnet. Das Zentrum bietet eine Erlebnisausstellung, ein Multivisionskino sowie weitere Angebote und Veranstaltungen im Außengelände. Namensgeber ist der nahe gelegene Kreidefelsen Königsstuhl. 2023 wurde der Skywalk Königsstuhl als neue Aussichtsplattform auf dem Königsstuhl eingeweiht. Da die bisherige Aussichtsplattform unter den Besuchermassen litt, wurde der Skywalk freischwebend errichtet, um das poröse Kreidegestein zu entlasten. Er ragt 118 Meter über der Ostsee, ist 90 Meter lang, 19 Meter breit und schwellenlos für Fußgänger, Kinderwagen sowie Rollstühle zugänglich.
Kap Arkona
Das Kap Arkona auf der Halbinsel Wittow im Norden Rügens ist eine 43 Meter hohe Steilküste aus Kreide und Mergel. Das Besondere sind die drei markanten Türme, die geschichtsträchtige Jaromarsburg sowie die autofreie, naturgeschützte Umgebung mit Blick auf die Ostsee.
Hiddensee
An unserem letzten Tag auf Rügen fuhren wir zum Fährhafen in Schaprode im Nordwesten von Rügen, um eine der ständig pendelnden Fähren auf die autofreie Insel Hiddensee zu nehmen. Hiddensee liegt unmittelbar westlich von Rügen. Sie ist etwa 16,8 Kilometer lang, an der schmalsten Stelle etwa 250 Meter und an der breitesten etwa 3,7 Kilometer breit. Ihre Hauptachse liegt in Nord-Süd-Richtung. Auf Hiddensee leben ca. 900 Einwohner, hauptsächlich in den Orten Kloster, Vitte und Neuendorf.
Da es bei unserer Ankunft auf Hiddensee im Ort Vitte regnete, nahmen wir eine im Fährhafen wartende Pferdekutsche, um in den nahegelegenen Ort Kloster zu fahren. Der Ort entstand um das Ende des 13. Jahrhunderts gegründete Kloster Hiddensee. Bekannt ist Kloster als Wohnort von Gerhart Hauptmann geworden, der auf dem dortigen Inselfriedhof begraben wurde. Da der Regen nicht nachließ, genehmigten wir uns im Restaurant des Hotels Hitthim ein ausgedehntes Mittagessen, bevor wir die Fähre über Neuendorf zurück nach Schaprode nahmen. Wer einen entschleunigten Urlaub sucht, dem ist Hiddensee sehr zu empfehlen – hier gibt es Ruhe statt Massentourismus.
Schloss Schwerin
Auf unserer Heimreise machten wir einen Zwischenstopp in der Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns, Schwerin, um das berühmte Schloss zu besichtigen. Das Schweriner Schloss ist die ehemalige Hauptresidenz der Herzöge und Großherzöge von Mecklenburg-Schwerin auf der Schlossinsel in Schwerin. Die Fünfflügelanlage wurde 1560 durch Herzog Johann Albrecht I. von Johann Baptista Parr im Renaissancestil begonnen und 1857 durch Großherzog Friedrich Franz II. von Georg Adolph Demmler und Friedrich August Stüler im Neurenaissancestil vollendet. Als architektonische Vorbilder dienten verschiedene französische Renaissanceschlösser. Hervorzuheben sind die Ahnengalerie, der Thronsaal und die Schlosskirche. Seit 1990 dient das Schloss als Sitz des Landtages von Mecklenburg-Vorpommern. 2024 wurde es als Teil des Residenzensembles in die UNESCO-Welterbeliste eingetragen. Mit rund 200.000 Besuchern im Jahr gehört es zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Deutschlands.
























