Pfalz 2026
Vom 30. Juni bis 03. Juli 2026 besuchten mein Bruder Walter und ich die Pfalz. Wir haben seit frühester Kindheit Bezüge zur Pfalz. Unsere Großeltern mütterlicherseits lebten nach Flucht und Vertreibung aus ihre Heimat in Polen seit 1949 in der Pfalz. Sie sind hier auch gestorben und begraben. Unser Vater hat unsere Mutter hier kennen gelernt. Sie heiraten 1953 in der Dorfkirche in Walsheim (Pfalz). Die Geschwister meiner Mutter lebten in der Pfalz und unsere Cousins sind hier geboren und beheimatet. Die Reise war in der Hauptsache eine nostalgische Reise zurück an Orte unserer Vergangenheit und ein Familientreffen mit unseren Cousins. Darüber hinaus besuchten wir die Pfalz auch ein wenig touristisch. Wir übernachteten im Prinzregent in Edenkoben. Ein sehr schönes Hotel, mitten in den Weinbergen gelegen und einen Katzensprung zum Sessellift der Rietburgbahn gelegen, die zur Ruine der aus dem Mittelalter stammenden Rietburg hinaufführt.
Zum gemeinsamen Abendessen luden uns unsere Cousins in ein wunderbares pfälzisches Weinlokal mit Sitzplätzen in freier Natur, umgeben von Weinbergen, ein. Ein Geheimtipp. Es handelt sich um die Gaststätte Mühlengrund in Heuchelheim-Klingen. Wir hatten einen wundervollen Abend.
Bad Dürkheim
Zuvor besuchten wir Bad Dürkheim, die Stadt mit dem größten Weinfass der Welt. In dem Weinfass ist heute ein Restaurant. Bad Dürkheim ist eine Kurstadt. Berühmt für Bad Dürkheim ist die 333 Meter lange Saline. Seit 2025 hat Bad Dürkheim auch eine neue Therme mit Wellness, Thermalbad und Sauna. Der bereits zuvor bestehende Teil des Salinariums blieb dabei als eigenständiges Freizeitbad bestehen. Bekannt ist Bad Dürkheim vor allem durch den Wurstmarkt, der mit über 600.000 Besuchern als größtes Weinfest der Welt gilt und ein Volksfest von überregionaler Bedeutung ist. Er findet jährlich am zweiten und dritten Septemberwochenende statt. Bad Dürkheim hat ca. 20.000 Einwohner.
Edenkoben
Der Weinort Edenkoben liegt an der Haardt, wie der Ostrand des Pfälzerwaldes genannt wird. Hier leben ca. 7.000 Einwohner. Wir hatten im Prinzregent Hotel in Edenkoben eingecheckt.
Bezug haben wir zu Edenkoben durch die erste Arbeitsstätte unser Mutter sowie die wichtigste Arbeitsstätte unseres Onkels. Vor allem unser Onkel und Vater unserer Cousins hat hier faktisch sein ganzes berufliches Leben für die Heinrich Gillet GmbH (heute Tenneco GmbH) gearbeitet.
Deutsches Weintor
Nach dem Frühstück fuhren wir über die Deutsche Weinstraße Richtung Süden bis zur französischen Grenze in Schweigen-Rechtenbach, um einen Abstecher zum Deutschen Weintor zu machen.
Das Deutsche Weintor ist ein denkmalgeschützter Torbau mit Nebengebäuden. Es gilt als eines der Wahrzeichen der Pfalz und markiert seit 1936 den südlichen Beginn der Deutschen Weinstraße.
Am Weintor beginnt seit 2012 der Wein Walk of Fame, ein Ehrenpfad, auf dem in den Boden eingelassene Metallplatten die Namen von Persönlichkeiten oder Gruppen tragen, die sich um Wein und Weinbau verdient gemacht haben.
Burg Landeck
Um die Mittagszeit trafen wir unsere Cousins auf der Burg Landeck wieder. Die Landeck ist die Ruine einer Höhenburg bei Klingenmünster. Sie ist ein beliebtes Ausflugsziel. Man kann dort oben leckere Pfälzer Weinschorlen, aber auch nicht alkoholische Getränke bekommen und wird mit Pfälzer- und Elsässischen Köstlichkeiten, wie Flammkuchen verwöhnt und hat bei schönen Wetter einen weiten Blick über das Rheintal bis zum Schwarzwald. Die einstige Wohnburg wurde über die Jahrhunderte stetig verstärkt und schließlich zur befestigten Burg ausgebaut. Wie bei der überwältigenden Mehrzahl der pfälzischen Burgen ist auch bei Burg Landeck das genaue Gründungsjahr unbekannt. Die sichtbaren stilistischen Merkmale Landecks verweisen auf die Zeit um 1200. Tatsächlich erwähnt und damit sicher belegt wird Landeck im Jahr 1237. Die Burg wechselte im Mittelalter häufig seine Besitzer und wurde wiederholt zerstört und wieder aufgebaut. Zuletzt wurde Landeck vermutlich um 1680, während des Pfälzischen Erbfolgekriegs, zerstört. Seither ist sie eine Ruine. Auf dem Gelände der Burgruine wird jedes Jahr am letzten Juniwochenende unter der Bezeichnung „Landeckfest“ das älteste mittelalterliche Burgfest der Pfalz abgehalten. Der mittelalterliche Weihnachtsmarkt, welcher immer am dritten Adventswochenende veranstaltet wird, hat seine eigene, unverwechselbare Atmosphäre.
Göcklinger Hausbräu
Zum Mittagessen haben wir unsere Cousins ins Göcklinger Hausbräu eingeladen. Hier braut seit 2004 die Familie Weißgerber nach handwerklicher Braukunst frisches Bier. Mein Bruder kannte die Lokalität von früher, da er in den 2000-er Jahren in der Pfalz gelebt und gearbeitet hatte. Essen und Biere waren lecker. Kann man sehr empfehlen, wenn man mal in der Pfalz von Wein auf frisch gebrautes Bier umsteigen möchte.
Trifels
Gegen 16:30Uhr trennten sich unsere Wege und mein Bruder und ich fuhren durch den Pfälzer Wald mit einem Abstecher zur Trifels. Für eine Besichtigung war es bereits zu spät, aber wir sahen die Höhenburg vom Tal aus und sind mit dem Auto auch bis zum Parkplatz hochgefahren. Die Burg Trifels ist die nicht originalgetreu teilrestaurierte Ruine einer mittelalterlichen Felsenburg oberhalb der südpfälzischen Stadt Annweiler. Auf dem Trifels können die Nachbildungen der Reichskleinodien des Heiligen Römischen Reichs besichtigt werden. Berg und Burg zählen zu den vorrangigen touristischen Ausflugszielen in der Pfalz. Seine Stellung verdankt der Trifels wegen seiner Bedeutung im Mittelalter, besonders während der Stauferzeit im 12. und 13. Jahrhundert. Die Reichsburg war damals für anderthalb Jahrhunderte Mittelpunkt historischer Ereignisse. Das größte Interesse weckt noch heute die Gefangenschaft des englischen Königs Richard Löwenherz, die hinsichtlich des Trifels allerdings nur für eine Zeitspanne von drei Wochen (vom 31. März bis zum 19. April 1193) mit Sicherheit belegt ist.
Nach dem Abstecher zur Trifels fuhren wir zurück nach Edenkoben. Wir hatten einen wunderschönen und ereignisreichen Tag.
Hambacher Schloss
Frisch ausgeruht und durch ein leckeres Hotelfrühstück gestärkt, ging es heute wie schon bereits am 27. Mai 1832 „hinauf, hinauf zum Schloss“. Oben am Schloss angekommen, durften wir erst einmal Zeuge einer Hochzeit werden, bevor unsere Schlossführung begann.
Das Hambacher Schloss beim Ortsteil Hambach der Stadt Neustadt an der Weinstraße wurde im Mittelalter als Burg erbaut und in der Neuzeit schlossartig ausgestaltet. Wegen des 1832 dort ausgerichteten Hambacher Festes gilt es neben der Frankfurter Paulskirche als wichtiges Symbol der deutschen Demokratiebewegung. Das Schloss erhebt sich auf 376 m Höhe südwestlich oberhalb von Hambach. Die ursprüngliche Anlage stammte aus dem 11. Jahrhundert und gehörte zum Eigentum der Salier. Der Speyerer Bischof Johannes I. († 1104), der verwandtschaftlich mit den Saliern verbunden war, vermachte die Burg dem Hochstift Speyer, dem sie über Jahrhunderte bis zum Ende der Feudalzeit gehörte. 1552 eroberten Truppen des Markgrafen und Söldnerführers Albrecht Alcibiades die Burg und brannten sie nieder. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde die marode Anlage 1688 von den Franzosen niedergebrannt und blieb Ruine. Die gesamte Burgruine fiel zunächst an den französischen Staat. Als der Wiener Kongress nach der Verbannung Napoleons Europa neu ordneten, wurde die Pfalz als Trostpreis dem Königreich Bayern zugesprochen und somit auch die Ruine des Hambacher Schlosses. Viel lieber hätten die Bayern den Zuschlag für Tirol erhalten, bekamen es aber nicht und mussten mit der Pfalz Vorlieb nehmen. 1832 wurde die Schlossruine durch das von etwa 25.000 Menschen besuchte sechstägige „Nationalfest der Deutschen“ (27. Mai bis 1. Juni) zum Schauplatz der frühen Demokratiebestrebungen auf deutschem Boden. Anlass war die Unzufriedenheit der pfälzischen Bevölkerung über Repressionsmaßnahmen der bayerischen Verwaltung. Diese hatte in den Jahren nach 1816 wichtige Errungenschaften zurückgenommen, die dem Volk in der Zeit der Zugehörigkeit zu Frankreich gewährt worden waren. Nachdem die bayerische Obrigkeit eine strenge Zensur eingeführt und politische Kundgebungen verboten hatte, gaben die Organisatoren die Veranstaltung als „Volksfest“ aus. Die Pfälzer fanden Unterstützung bei zahlreichen anderen Volksgruppen und Einzelpersonen. Seit jenem Fest gilt das Hambacher Schloss als Sinnbild der Demokratie in ganz Deutschland. Im Schlossmuseum wird das Original der tatsächlich ersten Flagge „Schwarz-Rot-Gold“, welche für die Deutsche Einheit und für die Werte der Demokratie steht, ausgestellt. Während des Hambacher Festes wurde diese Flagge mit der uns heute wohlbekannten Farbfolge „Schwarz-Rot-Gold“ zum ersten Mal mitgeführt und während des Hambacher Festes gehisst. Seit Gründung des Deutschen Reiches 1871 wurden die Farben Schwarz-Rot-Gold als Farben des deutschen Nationalstaats in den Verfassungen von 1871, 1919 und 1949 verankert.
Abschluss
Nach dem Besuch des Hambacher Schlosses fuhren wir über die landschaftlich, sehr schöne und kurvenreiche Stecke des Hochspayerbachtals nach Mehlingen. Hier besuchten wir Walters älteste Tochter mit Familie. Sie ist bereits seit ihrem Studium in der Region Kaiserslautern. Wir genossen einen schönen Nachmittag und Abend bei Kaffee, Kuchen und einer leckeren Nudel Lachs Pfanne bevor wir dann wieder schließlich nach Hause fuhren.








